Schulsystem

Das Schulsystem in Sikkim unterscheidet sich sehr stark von unserem in der Schweiz:

Die Kinder beginnen ihre Schulkarriere in Indien mit der Preprimary Klasse 1, äquivalent zu unserem Kindergarten. Hier lernen sie Lieder und Reime, spielen, lernen Zahlen und die ganze Schulumgebung kennen. In der Preprimary Klasse 2 wird schon am ersten Schulstoff gearbeitet, monatlich werden Prüfungen geschrieben und zwei Mal im Jahr werden staatliche Examen abgehalten. Dieses System geht so bis zur 2. Klasse weiter. Danach gibt es bis zur 5. Klasse wöchentliche Prüfungen. Hierbei geht es auch darum zu sehen, ob die Kinder den Stoff beherrschen oder ob sie zusätzliche Hilfe brauchen. Auch diese Schüler absolvieren im Juni und Ende November die staatlichen Examen. Unsere Kinder lernen also schon sehr früh das indische Leistungssystem kennen.

In der Klasse 6 – 10 werden sogar zweimal wöchentlich Tests durchgeführt, um sicher zu gehen, dass die Schüler die staatlichen Prüfungen schaffen. Diese Prüfungen sitzen auch den Lehrern das ganze Jahr im Nacken. Jeder Schüler in Indien muss diese halbjährlichen Examen schreiben und besteht sie, indem er in jedem Fach 40% richtige Antworten gibt (Staatsschulen 33% richtige Antworten, Eliteschulen 50%). Unsere Schule bewegt sich als Privatschule zwischen Staatsschule und Eliteinternat. Unser Ziel ist es, unseren Kindern eine möglichst gute schulische Ausbildung zu gewähren und sie dazu noch für ein Leben in der Gesellschaft vorzubereiten, im Wissen darum, dass nicht alle Kinder die intellektuellen Voraussetzungen haben, später eine Universität zu besuchen.

Die minimale Schulzeit dauert 8 Jahre. Nach der Klasse 8 absolvieren alle Schüler ein Examen des Sikkimesischen Staates und sind somit qualifiziert für eine Berufslehre (Vocational Training).

Das Berufslehrsystem, wie wir es in der Schweiz kennen, ist in Indien unbekannt. Gelernt wird normalerweise der Beruf des Vaters. Da unsere Kinder jedoch oft keine Eltern mehr haben oder diese arme Bergbauern ohne richtige Existenzgrundlage sind, müssen wir die Lehrausbildung neu organisieren. Heute arbeiten wir mit Partnern, vor allem aus der Hauptstadt, zusammen. Diese Firmen unterstützen uns, indem sie unsere Jugendlichen, welche nach der Klasse 8 eine Berufslehre absolvieren möchten, vor Ort ausbilden. Zudem gibt es in Gangtok ein Kunsthandwerkszentrum, welches künstlerisch begabte Kinder aufnimmt und sie ausbildet (Papierhandwerk, Malerei, Textilproduktion). Zurzeit werden dort etwa 5 unserer Jugendlichen in verschiedenen Disziplinen ausgebildet.

Die meisten Kinder in unserem Projekt gehen jedoch nach der Klasse 8 weiter zur Schule und absolvieren nach der 10. Klasse das „All India Secondary School Exam“, welches sie qualifiziert, die Klassen 11 & 12 in ihren Heimatdistrikten zu besuchen.

Schüler, die schon in der 9. Klasse Schwierigkeiten haben (meistens in den Fächern Mathematik und Naturwissenschaften) können bei uns die Klasse 10 in einem offenen Schulsystem (open school) besuchen. Dafür haben sie bis 5 Jahre Zeit. Sie wählen dafür 5 Fächer aus und schliessen diese Fächer nach ihrem eigenen Tempo in halbjährlich stattfindenen Examen ab. Daneben helfen sie im Wohnheim mit und lernen, einen Haushalt zu führen. Danach sind auch sie bereit für die Klassen 11 & 12.

Dafür müssen die Schüler, wie erwähnt, zurück in die Schulen ihres Heimatdistriktes. Unsere SchülerInnen, welche oft gar keine Familien mehr haben, leben zusammen in Wohngemeinschaften und lernen hier, mit den ersten Freiheiten umzugehen. Sie müssen sich nun ihren Lernstoff selber einteilen, kaufen zusammen ein und kochen, putzen und verwalten ihr Geld selber, welches sie alle Monate in Chongey abholen. Unterstützung erhalten sie in dieser Lebensphase von einer Fachperson. Er berät sie in der Berufswahl und besucht die Wohngemeinschaften regelmässig.
In den Klassen 11 & 12 können die Schüler ihre Schwerpunktfächerkombination selber wählen. Gängige Kombinationen, die für die spätere Laufbahn wichtig sind, sind Art (Sozialwissenschaften), Commerce (Wirtschaftswissenschaften) und Science (Naturwissenschaften).

Nach Klasse 12 werden erneut Prüfungen geschrieben, das „All India Senior Secondary Certificate“. Diese Prüfungen können zweimal wiederholt werden und das Zertifikat öffnet nun die Türen zum College. Auch hier muss zwischen verschiedenen Laufbahnen ausgewählt werden – Art (Sozialwissenschaften), Commerce (Wirtschaftswissenschaften), Bioscience (Biologie) und Mathematics (Mathematik).

Das College dauert 3 Jahre und wird mit dem Bachelor abgeschlossen.

Danach steht der Weg offen, an der Universität den Master zu machen. Da nun Sikkim neu auch über eine eigene Universität verfügt, ist dieser Weg für unsere akademisch interessierten StudentInnen sicherlich einfacher geworden. Um Stipendien zu erhalten müssen sie, gerade für teure Studiengänge wie Medizin, Agrarwissenschaften, Ingenieurwissenschaften, etc., staatliche Tests absolvieren. Bestehen sie diese, wird Ihnen das teure Studiengeld erlassen und werden ihnen Lehrmittel verbilligt abgegeben. Bestehen sie diese Tests nicht, steht der Weg an die Universität noch immer offen, muss aber aus eigenem Sack berappt werden.

 

Tätigkeitsgebiete

Spenden

Childern of Sikkim Foundation (CH)

Zürcher Kantonalbank
Postfach 715
CH-8010 Zürich

Konto CHF: 1127-0047.914
SWIFT: ZKBKCHZZ80A
IBAN: CH42 0070 0112 7000 4791 4

Childern of Sikkim Foundation (D)

Förde Sparkasse
Markt 28–30
D-24306 Plön

Konto EUR: 2188
SWIFT (BIC): NOLADE21KIE
IBAN: DE49210 50170 0000002188
BLZ: 210 501 70

Werden Sie Mitglied oder Pate...

Reisetagebuch 2017